Der 47-Jährige ist selbst aber auch ganz sportlich, er beherrscht sogar das Element des Vorwärtssaltos. Das hat der gebürtige Pforzheimer seinem früheren motivierten Sportlehrer zu verdanken. Unter ihm lernt Räuchle zu seinen Schulzeiten die komplexe Bewegung. Zunächst klassisch in der Turnhalle, später sogar im Schwimmbad vom Drei-Meter-Brett. „Wer einen soliden Salto hinlegte, sicherte sich so schon einmal eine Zwei im Zeugnis“, erinnert sich der 48-Jährige heute gerne zurück. Die Schüler durften auch T-Shirts tragen, damit der Einschlag nicht so fetzt. In dieser Zeit beschäftigt sich Räuchle auch mit der Rückwärtsvariante. Diese bekommt er auch umgesetzt, verliert sie aber irgendwie aus den Augen. Heute schafft er – sehr zu seiner Enttäuschung – keinen Rückwärtssalto mehr.
Der Salto an sich stellt für den gelernten Videojournalisten ein Element der Freiheit dar, in der „du kurz der Realität entfliehst“. Der Salto bringe etwas in Bewegung. Auf der anderen Seite sei er schwierig zu erlernen. „Geh mal in den Sportunterricht und schau‘, wie viele dort einen Salto können“, stellt der 47-Jährige ernüchtert fest.
Interesse für Randsportarten
Der Videojournalist arbeitet seit 2009 bei Regio TV, der regionalen Sendergruppe für Baden-Württemberg – mit Schwerpunkt auf der Berichterstattung um die Landeshauptstadt herum. Der Sender konzentriert sich dabei auf die Randsportarten. Spannende Hintergrundgeschichten, nicht alltägliche Geschehnisse. „Da kommt es auch vor, dass wir gefragt werden, warum wir nicht mal etwas zum VfB Stuttgart bringen“, sagt Räuchle.
Die Sendergruppe sei sich der aktuellen Zeit sowie Verantwortung bewusst. Inzwischen gehe es nicht mehr nur darum, als erster die neueste Schlagzeile in die Öffentlichkeit zu befördern. Sondern vordergründig um Exklusivgeschichten. Themen, die nicht in der breiten Öffentlichkeit behandelt werden. Und das mache gleichzeitig den Reiz der Arbeit des 47-Jährigen aus. Mal steht er vor der Kamera und präsentiert Nachrichten, dann steht er in der Halle und interviewt Sportler auf ihrem Weg zu internationalen Titelkämpfen. Langeweile könne hier nicht aufkommen. Jeder Tag sei anders.
Abgesehen vom jeweiligen Thema gestaltet sich Räuchles Tag ebenfalls sehr abwechslungsreich. Ein Blick auf seine Tätigkeitsbeschreibung gibt einen ungefähren Eindruck über die Tiefe seines Jobs: Er sucht attraktive Themen, recherchiert dazu, gestaltet den Beitrag; dreht und schneidet selbstständig; verfasst den Off-Text und moderiert gegebenenfalls den Beitrag auch noch mit. Das Alles in wenige Minuten gepackt ergibt den fertigen Beitrag. Mal einen längeren, mal einen kürzeren.
Begegnung auf Augenhöhe
Was als Kern seiner Arbeit immer bleibt: Das Ziel, die Leidenschaft der Protagonisten für ihre Sportart einzufangen. Der 47-Jährige spricht auch „vom journalistischen Auftrag“, diese Passion anderen Menschen zu transportieren. Und weil König Fußball alles andere überstrahlt, konzentrieren er und seine Kollegen sich eben auf Randsportarten. Dieser Weg werde regelmäßig auch von außen honoriert und bestätigt, erzählt der Pforzheimer. „Viele freuen sich, dass wir da waren, obwohl wir vielleicht nur einen kurzen Beitrag drehen.“ Der Schlüssel liege in der Begegnung. „Für mich sind das alles Sportler, bei denen ich nicht unterscheide, ob ich eine Frage stelle oder nicht“, erklärt Räuchle. Selbst dann nicht, wenn wirklich namhafte Persönlichkeiten ihm gegenüberstehen. Zu seinen Highlights zählen Interviews mit Franz „Kaiser“ Beckenbauer sowie Oliver „Titan“ Kahn. Natürlich nehmen diese Menschen einen Raum ganz anders ein, sorgen für Knistern in der Luft. Für den Videojournalisten aber kein Problem, professionell seiner Arbeit nachzugehen.
Abseits von seinem „sportlichen“ Beruf dreht sich beim Pforzheimer ebenfalls vieles um Sport. So fungiert er als Stadionsprecher der Fußballer der Stuttgarter Kickers auf der Waldau sowie als stellvertretender Hallensprecher der Handballer des TVB Stuttgart. Zusätzlich moderiert er zahlreiche andere (Sport-)Events. Einer seiner bisherigen Highlights: Sein Einsatz als Hallensprecher bei der Handball-Europameisterschaft 2024 in der Münchner Olympiahalle.
„DTB Pokal Stuttgart ist ein Familienevent“
Eine Veranstaltung, auf die der Videojournalist sich besonders freut, ist der bevorstehende DTB Pokal Stuttgart vom 19. bis 22. März in der Stuttgarter Porsche-Arena. „Für mich ist das Event ein Familienfest mit mega professionellen Top-Stars in einer der schönsten Hallen Europas“, sagt Räuchle. Obwohl der Schwäbische Turnerbund (STB) mit den Anfang vergangenen Jahres geäußerten Vorwürfen um das Kunst-Turn-Forum herum in die negativen Schlagzeilen geraten ist, nimmt der 47-Jährige den STB als „sehr professionell und positiv“ wahr. Er spüre, wie viel Aufwand die Verantwortlichen in die Bewegung von Kindern investieren.
Entsprechend gerne ist der Pforzheimer bei dem Event mit von der Partie. Auch diesmal wieder wird er als Kommentator und Moderator in der Porsche-Arena mit Expertise und Stimmung die Halle anstacheln. Nicht fehlen darf an seiner Seite: die Turnexperten. Diesmal wieder mit Helge Liebrich und – Premiere – auch mit Elisabeth Seitz. Nach ihrem Karriereende im vergangenen Mai möchte die Deutsche Rekordmeisterin ihre Expertentätigkeit intensivieren.
Eine Win-Win-Situation für Räuchle: Damit könne er sichergehen, dass die sportliche Leistung am jeweiligen Gerät korrekt eingeordnet wird. Denn ohne Experten würde es dem 48-Jährigen schwerer fallen, die turnerischen Darbietungen adäquat zu bewerten. Gleichzeitig sei das eines der Probleme im Turnsport. „In allen Sportarten, wo eine Wertung vorgenommen wird, sind Einschätzungen individuell oft nicht nachvollziehbar“, erklärt der Pforzheimer. Die Komplexität an Bewegungen und Ausführungen erschweren den Blick. Immerhin: Der Videojournalist sei inzwischen in der Lage, Küren grundsätzlich als gut oder schlecht zu bewerten. „Diese Eindrücke lasse ich mir immer wieder von meinen Experten bestätigen“, erklärt der Kommentator.
Bei all den Anforderungen und Sportarten den Überblick zu behalten, gestalte sich für Räuchle nicht immer so einfach. Auch weil Sportevents naturgemäß wochenends stattfinden. Ergo sei er an Wochenenden häufig im Einsatz. Zeit für Hobbys bleibe weniger. Trotzdem schafft es der Familienvater regelmäßig laufen zu gehen, mit seinem Gravelbike Touren zu drehen oder bekannte Sportbiografien zu lesen. Vor allem aber die Zeit an der frischen Luft sei „der beste Ausgleich“ in seinem mitunter vollen Alltag.

